
Positive Effekte, wertvolle Ergebnisse, aber auch bleibende, strukturelle Herausforderungen für das Kulturkollektiv Goetheschule. Das ist das Ergebnis der vergangenen 2 ½ Jahre, in denen unser Kulturzentrum Teil des Modellprojektes „Strukturförderung Soziokultur“ sein durfte. Die LAG Soziokultur unterstützte insgesamt sechs soziokulturelle Zentren mit Beratung, Austauschprogrammen und Thüringer Landesmitteln.
Die Ausgangslage
Die Situation der freien Kulturszene in Thüringen und darüber hinaus ist schwierig. Zu den Kulturveranstaltungen kommen oft noch so viele zusätzliche Aufgaben. Die müssen zum großen Teil oder auch ausschließlich ehrenamtlich neben der Erwerbsarbeit geleistet werden.
Wenn es finanzielle Förderungen gibt, dann fast immer in Form von Projektförderung (z.B. für Veranstaltungen), manchmal für Investitionen (z.B. für eine Musikanlage), aber keine strukturelle Förderung.
Das heißt, in der Regel keine Förderung für laufende Kosten, die nicht direkt mit einem Projekt verbunden sind. Es heißt aber vor allem keine Förderung für die Menschen, die die organisatorische Arbeit leisten und die Geschäfte solcher Einrichtungen führen.
Mit dem Modellprojekt sollte erprobt werden, wie es sich auswirkt, wenn diese Förderlücke teilweise geschlossen wird.
Was waren die Ziele für unseren Verein Kulturkollektiv Goetheschule?
Die organisatorischen Aufgaben und die Führung der Geschäfte sollten aus dem Ehrenamt geholt werden, um das langfristige Überleben zu sichern. Das erfordert mindestens 50 Stunden Arbeit pro Woche.
Es war geplant, mit Hilfe des Modellprojekts eine halbe Personalstelle einzurichten. Durch diese erste Stabilisierung sollte die Kulturarbeit weiterentwickelt und professionalisiert sowie eine Nachfolge sichergestellt und qualifiziert werden. Zur angestrebten Weiterentwicklung gehörte auch die Erarbeitung nachhaltiger Finanzkonzepte, unter anderem um die Stelle beibehalten und mittelfristig ausbauen zu können. Zu den großen programmatischen Zielen der Weiterentwicklung zählte die Wiederbelebung des Internationalen Glassymposiums Lauscha.

Was ist konkret für die Goetheschule herausgekommen?
Die beste Nachricht zuerst: Das Modell-Projekt hat dazu beigetragen, dass das soziokulturelle Zentrum trotz Krisen und großer Herausforderungen heute noch existiert.
Die weniger gute Nachricht: Durch Landtagswahlen und verzögerte Haushaltsverhandlungen gab es nicht die Planungssicherheit, die für eine Strukturkonsolidierung und strategische Entwicklung nötig ist.
Dennoch hat das Modellprojekt zu folgenden Errungenschaften einen wichtigen Beitrag geleistet und dafür sind wir dankbar:
- Überwindung der Krise durch den Wegfall der zentralen Person bei der organisatorischen Führung des Vereins
- Generationenwechsel beim Vorstandsvorsitz/ Stabilisierung des neuen Vorstandstrios und der Teamstruktur
- Bewältigung von Prüfungen zurückliegender Projekte
- Qualifizierung durch Fortbildungen
- Weiterentwicklung von Künstlerresidenz, Veranstaltungsformaten, Zielgruppen und Finanzierungsinstrumenten
- Meistern der Herausforderungen durch Schließung des Hauses und umfangreiche/kostspielige Brandschutzaufgaben
- Kontinuierliche Veranstaltungen trotz vorübergehender vollständiger Schließung und monatelanger teilweiser Schließung
Die kompetente Beratung und konstante Begleitung durch den Fachverband sowie die Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten mit anderen soziokulturellen Zentren waren dabei sehr hilfreich.






Was bleibt offen?
Es war nicht möglich, die organisatorischen Arbeiten aus dem Ehrenamt zu holen. Nur wenige Monate (Juli-Nov. 2023) existierte eine Teilzeitstelle. Das lag zunächst am gesundheitlich bedingten Ausfall der angestellten Person, grundsätzlich aber an der Planungsunsicherheit.
Niemanden hätte man bei einer unsicheren Projektfinanzierung für eine Teilzeit-Stelle gewinnen können. Das Risiko, einen Job zu kündigen oder die Selbstständigkeit zu gefährden, wäre zu hoch gewesen. Besonders da für 2025 nach Landtagswahlen und Haushaltsverabschiedung nur noch ein Bruchteil der Mittel bewilligt wurde und diese erst sehr verspätet zur Verfügung standen.
Auch die zu Beginn des Modellprojektes angeschobene Wiederbelebung des Internationalen Glassymposiums konnte unter diesen Voraussetzungen erstmal nicht weiter vorangetrieben werden.
Eine gemeinnützige Einrichtung wie das Kulturkollektiv Goetheschule e.V. mit
- Ateliergemeinschaft
- Kulturveranstaltungen
- Workshops
- Internationaler Künstlerresidenz
- Denkmalsanierung
zusätzlich zur Erwerbsarbeit zu führen und zu betreiben, bleibt daher als dauerhafte Herausforderung bestehen.
Das Modellprojekt „Strukturförderung Soziokultur“ wurde gefördert von der LAG Soziokultur mit Mitteln der Thüringer Staatskanzlei und des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.